Serra de Tramuntana

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Die Natur hat in der Serra de Tramuntana eine wirklich einzigartige Landschaft im Nordwesten Mallorcas geschaffen. Inzwischen sind diese Landschaften, wie die Halbinsel sa Foradada, der Torrent de Pareis oder die Quellen der Fonts Ufanes zu einem Markenzeichen der Balleareninsel geworden. Der Begriff Tramuntana bedeutet im Katalanischen „der Norden auf der Windrose“. Das bezieht sich nicht nur auf die Lage des Gebirgszuges im Nordwesten Mallorcas, sondern auch auf den kühlen Nordwind, der vor dort über die Berge weht. Auf 88 km Länge fällt das Gebirgsmassiv steil nach Nordwesten zur Küste hin ab, während sich sanfte Ausläufer Richtung Inselinnerem neigen.

Die Natur schuf wilde Schluchten, die meist in den Sommermonaten trocken liegen, und mehr als 50 Gipfel, die über 1000 Meter den Meeresspiegel überragen. Doch trotz der eher bescheidenen Höhe zeigt die Serra de Tramuntana ein recht raues und zerklüftetes Gesicht. Hier geizt die Natur nicht mit Größe und Schönheit, die zudem jeden Tag anders aussieht, denn Licht, Himmel und Vegetation verändern sich ständig. Wer einmal hier war, kann nachvollziehen, warum die Serra de Tramuntana 2011 ins Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Karte Serra de Tramuntana

Wandern in der Serra de Tramuntana

Hier in den Bergen findet Ihr menschliche Spuren, die die Natur noch nicht verdrängt oder zerstört haben. So hat die Serra de Tramuntana ihren ursprünglichen Charme bewahrt und einen völlig einzigartigen Lebensraum für Mensch und Natur geschaffen. Wenn Ihr gerne mehrtägige Wanderungen unternehmen möchtet, könnt Ihr einen ruhigen und dennoch spannenden Urlaub auf Mallorcas Fernwanderwegen verbringen. Neben der „Route der Trockensteinmauern“ (GR 221) gibt es einen zweiten überregionalen Weitwanderweg, den GR 222. Weitere Routen und Infos zu Wanderungen findet ihr in unserem Artikel Wandern auf Mallorca.

  • Eintägige Touren

Achtung, Privatbesitz! Fast die gesamte Serra de Tramuntana ist in privater Hand – auch die Gipfel der Berge. Viele Eigentümer dulden Wanderer auf ihrem Besitz, andere nicht. Es empfiehlt sich daher immer, einen aktuellen Wanderführer zur Hand zu haben und gegebenenfalls nachzufragen, ob Ihr passieren dürft („Puedo pasar?“).

Banyalbufar
Terassen bei Banyalbufar

  • Leichte Routen

Banyalbufar und Port des Canonge

Vom Parkplatz etwa 1 km östlich von Banyalbufar (Ma-10, km 85) führt die abwechslungsreiche Wanderung auf breiten Wegen an der Steilküste entlang bis Port des Canonge. Sehenswert sind die berühmten Terrassen in Banyalbufar. Badesachen mitnehmen, Restaurants in beiden Orten. Länge 9,1 km (Hin- und Rückweg gesamt), Gehzeit 3 Stunden. Für Kinder geeignet.

Vall de Bóquer

Bei der Finca Bóquer in Formentor führt der Weg durch ein flaches Tal, begrenzt durch den Es Moral und die Serra del Cavall Bernat. Die Bucht am Ende der relativ ebenen Strecke ist ein beliebtes Ziel für britische Vogelbeobachter. Hin- und Rückweg zusammen 10 km, Zeitbedarf insgesamt 2 Stunden. Unterwegs keine Einkehrmöglichkeit, Verpflegung mitnehmen.

Serra de Tramuntana

  • Mittelschwere Routen

Cuculla de Fartàritx

Der „Spitzberg“ gilt noch als Geiheimtipp und ist nur spärlich frequentiert. Die Tour lohnt sich, denn sie hält immer wieder Überraschungen für Euch bereit. Auf dem Camí de sa Coma geht es zunächst ins Vall d’en Marc, bevor Ihr auf recht einsamen Wegen über kurze Felspassagen den Gipfel des Cuculla de Fartàritx (711 m) erreicht. Länge 7 km, Aufstieg 650 m, Zeitbedarf etwa 3,5 Stunden.

Vom Bergsee Cúber bis Soller

Einer der beliebtesten Wanderrouten führt vom Parkplatz des Stausees Cúber ins goldene Tal von Sóller. Die Wandertour geht über den Pass eines der zehn höchsten Berge des Tramuntana-Gebirges, den Gipfel des L´Ofre und bietet herrliche Ausblicke. Gehzeit etwa 4 Stunden, diese Richtung ist einfacher zu begehen als die Gegenrichtung, 200 m Aufstieg, 950 m Abstieg.

  • Schwierige Routen

Puig de Massanella

Der Rundwanderweg beginnt und endet auf dem Parkplatz von Kloster Lluc. Die Route führt über den Coll del Telégraf auf den höchsten, alleinstehenden Gipfel, den Wanderer besteigen können: den Puig de Massanella (1365 m). Die ungesicherte Kletterstelle kann bei Bedarf umgangen werden. Aufstieg: 3 Stunden 30 Minuten, Abstieg etwa 3 Stunden, Höhenmeter (einfach) 865 m.

Von Escorta durch den Torrent de Pareis

In einem der wildesten Abschnitte des Tramuntana-Gebirges klafft die etwa 3,5 km lange Felsspalte des Torrent de Pareis. In einem abenteuerlichen Abstieg mit zahlreichen Kletterpassagen können erfahrene Bergsteiger bis zur Mündung bei Port de sa Calobra vordringen. Nur für gute Bergsteiger mit alpiner Erfahrung geeignet. Länge: 3,5 km, Zeitbedarf etwa 5 Stunden.

Puig Major – Mallorcas höchster Berg

Weit entfernt von den Zentren der Tourismusindustrie erhebt sich auf halber Strecke zwischen Sóller und Lluc der höchste Berg des Tramuntana-Gebirges: der Puig Major. Genau genommen heißt der höchste Gipfel Puig Major de Son Torella, benannt nach einem Landgut, das einst im Norden des Cúber-Stausees bestand. Hier scheinen die Landschaften so verlassen, als hätte sie seit Jahrzehnten kein Mensch mehr betreten. Schon von Weitem ist der Puig Major gut zu erkennen, denn auf seiner grauen, vegetationslosen Spitze thront eine goldgelbe Kugel und symbolisiert damit den höchsten Punkt der Balleareninsel. Auch wenn die meisten Wanderer die Spitze nicht erreichen können – sie ist seit 1958 militärisches Sperrgebiet – so lohnt sich doch der Aufstieg. Die Mühe wird mit herrlichen Ausblicken belohnt.

Im Jahr 1932 plante man hier eine 2 km lange Seilbahn auf den Gipfel des Puig Major. Der Spanische Bürgerkrieg durchkreuzte jedoch das Bauvorhaben. Lediglich das Fundament der Talstation wurde realisiert und kann noch heute an der Straße nach Sa Calobra besichtigt werden. Es bietet Ausflüglern einen guten Rundumblick über die Serra de Son Torella.

Wer sich auf das Hochplateau im Schatten des Puig Maior verirrt, kann von hier aus die seltenen Mönchsgeier auf ihrem Flug beobachten, die sich majestätisch am Himmel auf ihr Nester in den hoch gelegenen Kiefern zubewegen. Im Januar liegt auf dem 1445 m hohen Hauptgipfel mit seiner Radarkuppel häufig eine dünne Schneedecke.

Mallorcas Stauseen

Stausee Gorg Blau

In leuchtendem Türkis glitzern sie am Fuße des Puig Major in der Sonne: die beiden Bergseen Gorg Blau („Blaue Schlucht“) und Cúber. Seit in den 1960er Jahren der Gebirgsstrom Torrent de Gorg Blau mit einer Staumauer versehen wurde, bezieht Palma aus den beiden Stauseen das Trinkwasser. Sinkt der Wasserpegel bei Trockenheit, gibt der Gorg Blau Stausee ein besonderes Geheimnis frei: Almallutx. Um das ehemalige religiöse Zentrum und wahrscheinlich letzte arabische Siedlung der Insel ranken sich viele geheimnisvolle Legenden, wie eine mallorquinische Version von Romeo und Julia. Die Säulen und Mauern der einstigen Anlage könnt Ihr von der Landstraße aus gut mit dem Fernglas erkennen.

Das Areal mit den beiden Stauseen ist ideal für naturbegeisterte Familien. Auf den vielen Wanderwegen um die Seen herum kann man hier auf relativ ebenem Gelände die Natur erkunden. Beim Stausee Cúber gibt es nicht nur Bänke und Freiflächen für ein gemütliches Picknick im Freien, hier bietet sich auch die Gelegenheit, wilde Schafe, Ziegen und Esel zu beobachten.

Die Serra de Tramuntana mit dem Auto erkunden

Straße im Trmuntana Gebirge

Egal, ob Ihr zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs seid, das imposante Tramuntana-Gebirge im Nordwesten Mallorcas dürft Ihr Euch keinesfalls entgehen lassen. In den Bergen lohnt sich die eine oder andere Erkundungstour mit dem Auto, denn rechts und links der beschaulichen Serpentinenstraßen sind nicht nur zahlreiche Trockenmauern und traditionelle Bauten zu entdecken. Hier in den Bergen der Serra de Tramuntana hat Mallorca noch seinen ursprünglichen Charme bewahrt und einen völlig einzigartigen Lebensraum für Mensch und Natur geschaffen.

  • Route 1: Von Andratx nach Soller

Diese Route gehört zu den schönsten auf ganz Mallorca. Sie beginnt ganz im Westen und schlängelt sich an der Steilküste entlang durch kleine Bergdörfer wie Valldemossa und Deià bis nach Sóller. Es lohnt sich ein Abstecher nach Fornaluntx, das als schönstes Dorf Mallorcas gilt. Entfernung: 53 km, reine Fahrzeit 1,5 Stunden einfach.

  • Route 2: Von Sóller zum Cap de Formentor

Von Sóller aus geht es Richtung Fornalutx durch das nördliche Tramuntana-Gebirge über Pollenca bis ans Ende der Halbinsel Cap Formentor. Wer Zeit hat und sich alle Sehenswürdigkeiten ansehen möchte, sollte für die Tour zwei Tage einplanen (mögliche Übernachtung im Kloster Lluc). Es lohnt sich ein Abstecher zum Coll dels Reis (Sackgasse). Entfernung 81 km.

Olivenbäume in der Serra de Tramuntana

Sehenswürdigkeiten in der Serra de Tramuntana

  • Kloster Lluc: Kloster Lluc gilt als spirituelles Zentrum der Balleareninsel und ist nicht nur viel besuchter Wallfahrtsort, sondern bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten. Hier befindet sich außerdem das Serra de Tramuntana-Infozentrum.
  • Beliebte Ausflugsziele in der Serra sind unter anderem die Orte Andratx, Calvià, das Künstlerdorf Deià, Estellencs, Pollença und Sóller mit ihren Häfen. Nicht zu vergessen das berühmte Bergdorf Valldemossa und das schönste Dorf Mallorcas: Fornalutx.
  • Heißt es in den Nachrichten „Han brotado las Fonts Ufanes!“ (die Fonts Ufanes sprudeln wieder), solltet Ihr Euch beeilen, denn in einem Waldstück bei Campanet ist ein einzigartiges Naturschauspiel zu beobachten. Wenn in der Serra de Tramuntana starker Regen fällt – und zwar richtig starker Regen – dann dauert es etwa acht Stunden, bis sich der sonst so trockenen Eichenwald in eine Art Kurzzeit-Venedig verwandelt.
  • Die spektakulärste Felsenschlucht Mallorcas findet Ihr im Torrent de Pareis.
  • Castell de Rei und Castell d’Alaró: Um die Insel gegen arabische Angriffe und Piraten zu verteidigen, wurde schon vor Jahrhunderten ein Netz aus Burgen und Wachtürmen an der Küste errichtet. Die beiden wichtigsten Festungen können heute noch besichtigt werden: Castell de Rei in Pollença und Castell d’Alaró in der Kleinstadt Alaró.
  • Botanischer Garten von Sóller: Die botanische Anlage gibt unter anderem die typische Flora der Bergregion wieder. Ein Besuch lohnt sich, denn hier haben sich wegen der Abgeschiedenheit ganz besondere Spezies entwickelt.
  • Eine der schönsten Aussichten bietet die Halbinsel und Cap de Formentor. Allein der Weg zum nördlichsten Punkt Mallorcas ist schon der Mühe wert.
  • Halbinsel Sa Foradada: Bei Deiá liegt die markante Landzunge Sa Foradada mit ihrem berühmten Felsenloch. Von der Aussichtsplattform zeigt sich hier vor allem bei Sonnenuntergang ein großartiges Panorama.

Strände in der Serra de Tramuntana

Strand von Port de Valldemossa
Strand von Port de Valldemossa
  • Cala de Sant Vicenç (Nordwesten)
  • Cala Tuent (bei Escorca)
  • Cala de sa Calobra (bei Sa Calobra)
  • Platja de Torrent de Pareis
  • Strand von Port de Soller
  • Cala Deià (bei Deia)
  • Cala de Valldemossa (Strand von Port de Valldemossa)
  • Cala Estellencs
  • Cala de Banyalbufar
  • Es Port des Canonge (bei Banyalbufar)
  • Strand von Llucalcari
  • Playa de Sant Elm und Cala Conills (bei Andratx)
  • Cala Fornells (im Südwesten)
  • Cala d’Egos – Cala en Basset bei Andratx (bieten Ausblicke auf sa Dragonera)

Bootsausflüge

Charter a la carta
Von Andratx nach sa Dragonera, Sant Elm, Cala d’Egos, Cala in Basset, Camp de Mar, Playa de Peguera, Cala Fornells, Playa de Santa Ponça.
Tel. 00 – 34 – 622 195 543

Cruceros Margarita
Von Sant Elm nach sa Dragonera.
Tel. 00 – 34 – 639 617 545 / 629 606 614

Cruceros de Mallorca
Von Calvià nach Santa Ponça, Peguera, Camp de Mar.
Tel. 00 – 34 – 600 520 503

Barcos Azules
Strecke vom Port de Sóller nach sa Calobra.
Tel. 00 – 34 – 971 63 24 35

Unterkünfte für Wanderer

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